Aufräumen – innen und außen

Was bleibt nach Abschieden, die für immer sind? Nachdem meine Mutter 2021 gestorben ist und mein Vater im Februar 2024, also vor zwei Jahren, brauchte ich eine Weile, um die neue Situation zu akzeptieren, die Trauer zu bewältigen und die Energietanks neu zu laden. Denn die emotionale Anstrengung, die Fürsorge für einen lieben, hilfsbedürftigen Menschen ist schon enorm. Man weiß, dass es am Ende nicht reichen wird, so sehr man sich auch bemüht.

Nun melde ich mich zurück in meinem Blog. Etwas aufgeräumt im Inneren, etwas mehr auf das Hier und Jetzt ausgerichtet und auf die Zeit, die einem auf Erden verbleibt. Aufgeräumt wurde auch das Elternhaus. Nicht schnell, sondern nach und nach. Zusammen mit meiner Schwester habe ich viele Sachen angeschaut, aussortiert, mit genommen, darüber diskutiert und einiges entsorgt. Vieles ist im Sozialkaufhaus gelandet mit dem Gefühl, vielleicht einem Menschen damit noch eine Freude zu machen. Meine Eltern haben nicht viel aufgeräumt und viel gesammelt. Es hat ihnen eine Art Sicherheit gegeben. Als sie mit 47 Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland kamen, mit 6 Kisten und ein paar Koffern, war alles, was sie sich anschaffen konnten, wertvoll. Sparsam, genügsam und fleißig waren sie und haben die Dinge wertgeschätzt. Sie sagten, wir sollten darüber verfügen und entscheiden, wenn sie nicht mehr sind. Es gab viel zu entscheiden. Nun steht das Haus zum Verkauf.

Der Abschied vom Materiellen ist nochmals ein endgültiger Abschied. Es wird ein Schlußstrich gezogen. Auch in der Familiengeschichte. Diese aufzuarbeiten habe ich mir vorgenommen. Es wird eine Weile dauern. Mit Abstand die Menschen, Geschehnisse und Beziehungen zu betrachten, die Wege der Vorfahren und mein Weg bisher, erzwingt auch ein Aufräumen im Inneren. Was war gut, was nicht. Wie war ich in dem System eingebunden, welche Aufträge habe ich erfüllt, welche Anforderungen wurden an mich gestellt? Wer oder wie bin ich und will ich künftig sein? Ein Aufräumen kann ein Loslassen sein, ein Aufatmen, ein Danken. Man darf und muss sich neu sortieren und positionieren in den Beziehungen, die da sind, auf liebe Menschen, die einen umgeben. Und hoffen, auf neue Menschen, die die eigene kleine Welt bereichern und ähnliche Wertvorstellungen haben. Hoffen, auf eine gute Zeit.